70 Jahre nach dem Tod eines Urhebers werden dessen Werke gemeinfrei. Öffentliches geistiges Eigentum gehört dann dem Bürger und überhaupt jedem Einzelnen. Meistens sind uns die verstaubten Werke ziemlich egal und Künstler ohnedies schneller vergessen, als die Haltbarkeitsdauer der Datenträger.

Nun, wir öffnen ein Fenster, in die die Zeit vor 70 Jahren. Sämtliche Malereien von Paul Klee, Fritz Baumann, El Lissitzky, August Deusser und Grant Wood, alle Bücher und Texte von James Joyce, Stefan Zweig, Robert Musil und Sophie Hämmerli-Marti sowie überhaupt sämtliche Songs von Jelly Roll Morton, Blind Boy Fuller, Seven Foot Dilly, Robert Katscher und Fred Fisher, die Filme von Germaine Dulac, Walther Ruttman, Rolf Randolf, Edwin Stanton Porter und Victor Schertzinger. Achja, da wären noch die Tarotkarten von Elisar von Kupffer, das fotografische Werk von Tina Modotti, Annemarie Schwarzenbach und Arnold Genthe sowie die Flut an Theaterstücken von Max Neal oder die Skulpturen von Hans Hippele. Das sind nur einige Autorinnen, die 1941/42 gestorben, und somit lange genug tot sind, dass ihre Werke gemeinhin auch als Gemeingut gelten dürfen. Der Grossteil des öffentlichen geistigen Eigentums dürfte den Weg in die binäre Datensenke wohl nie finden wird.

Was aber tun mit soviel geistigem Eigentum, das den meisten Fällen offensichtlich niemanden mehr kümmert und in wenigen Fällen zu erbitterten Urheberrechtskämpfen führte (James Joyce und Mickey Mouse)? Dienten die kulturellen Schöpfungen unserer Vorfahren etwa nur dazu, unsere aktuelle Kultur vorzubereiten? Dann könnten wir die kulturellen Errungenschaften der Vergangenheit getrost den Müllkippen der Historiker überlassen. Wer um Himmels Willen, soll all das lesen, hören und mit der nötigen Aufmerksamkeit versehen?

Dock18 Institut für Medienkulturen der Welt beschäftigt sich seit 4 Jahren mit der radikalen Aneignung der Vergangenheit durch Neuinterpratation. Geltende Urheberrechtsgesetze sind nur der Ausgangspunkt, spielen im weiteren Verlauf keine Rolle mehr. Verwertet werden grundsätzlich alle verfügbaren Werke, deren Autorinnen 70 Jahre tot sind.

Re:PublicDomain 2013

2013 finden 4 Veranstaltungen statt

Re:PublicDomain

19.September WALK Kulturbüro, Genf
27.September NIGHT Rote Fabrik Clubraum, Zürich
20.Oktober MATINEE Forum Schlossplatz, Aarau
22.November SHOW Grandpalais, Bern

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